Was man über kamerun wissen muss...
Am 1. Januar 1960 erhielt das französische Kamerun nach einer Volksabstimmung und nach dem Auslaufen des UN-Mandats die Unabhängigkeit und nannte sich Ost-Kamerun. Der Norden des britischen Mandatsgebietes stimmte bei einer vorangegangenen Volksabstimmung für den Anschluss an Nigeria, der südliche Teil entschied sich für einen Anschluss an den Staat Kamerun; so kommt es zu den beiden Amtssprachen Französisch und Englisch und dem Problem zweier komplett getrennter Verwaltungssysteme. Am 11. November 1960 wurde Kamerun Mitglied der UNESCO.
Der vom Ministerpräsident zum kamerunischen Staatspräsidenten aufgestiegene Fulbe Ahmadou Ahidjo errichtete eine blutige Diktatur und ließ jede unabhängige Meinungsäußerung unterdrücken. Dabei wurde er von französischen Spezialisten aus dem Milieu der extremen Rechten beraten. Die „endgültige“ Niederschlagung der U.P.C. wurde immer wieder verkündet, dennoch blieben alle Reisen des Präsidenten in seinem eigenen Land aus Angst vor Anschlägen geheim. Mit Hilfe seiner französischen Berater und brutaler Repression gelang es Ahidjo, sein Regime zu festigen. Die Einheitspartei UNC (Nationale Kamerunische Union) wurde gegründet.
Reformen wurden erst 1972 durchgeführt. Die Bundesrepublik Kamerun wurde am 20. Mai 1972 in einen Einheitsstaat umgewandelt (Vereinigte Republik Kamerun). Nach dem Rücktritt des Staatspräsidenten Ahidjo am 6. November 1982 wurde sein Premierminister Paul Biya zum Staatsoberhaupt und Vorsitzenden der neuen Einheitspartei Demokratische Sammlung des Kameruner Volkes. Er gewann die Wahlen 1984 und konnte einen Putschversuch vereiteln. Biya versprach die Demokratisierung des Landes und mehr soziale Gerechtigkeit. Bei den Wahlen 1988 kandidierte Biya ohne Gegenkandidaten und erhielt die Mehrheit. Belastet wurde seine Regierung durch die wirtschaftliche und soziale Krise des Landes während der 1980er Jahre, die ihm und seinem korrupten Kabinett angelastet wurde. Die Forderungen nach Pressefreiheit und Beendigung des Einparteiensystems wurden immer lauter.
Mit der Zulassung der Pressefreiheit erschienen viele kritische Zeitungen und die Opposition im Land wurde immer stärker. Anfang der 1990er Jahre kam es vermehrt zu Unruhen und Generalstreiks mit der Forderung nach dem Ende der Monopolstellung der RDPC. Biya gab dem Druck der Straße zögerlich nach und ließ die Bildung von Oppositionsparteien zu, so dass 1992 die ersten freien Wahlen stattfanden, bei denen Biya erneut gewann. Die Opposition vermutete Wahlbetrug, da ausländische Wahlbeobachter behindert wurden. Wahrscheinlicher ist aber, dass die Oppositionsparteien zu sehr zersplittert waren (bei der Wahl traten 32 Parteien an) um ihre Stimmen zu bündeln. Trotzdem hatte das Wahlergebnis zur Folge, dass die RDPC (89 Sitze) mit der größten Oppositionspartei UNPD (65 Sitze) koalieren musste. Durch französische Unterstützung und geschicktes Ausspielen seiner politischen Gegner konnte er bis 1997 seine Mehrheit im Parlament halten und wurde bei den Wahlen im gleichen Jahr bestätigt. Paul Biya trat 2004 auch am 9. Oktober 2011, inzwischen 78-jährig, erneut an und wurde mit 77 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Regierungschef des Landes ist seit 2009 Philémon Yang. Dieser löste den bisherigen Regierungschef Ephraim Inoni (von der RDPC), der seit dem 8. Dezember 2004 im Amt war, ab.
Seit der Unabhängigkeit, insbesondere der Schaffung eines Einheitsstaates im Jahr 1972 und der Umbenennung der Vereinigten Republik Kamerun in Republik Kamerun1984 gibt es im englischsprachigen Teil Southern Cameroons immer wieder Autonomiebestrebungen. Das South Cameroons National Council und die South Cameroons Ambazonia Consortium United Front (SCACUP) kämpfen für einen Staat Ambazonia, dessen Name sich vom lokalen Namen Ambas Bay des Kamerunästuars ableitet. 1984 wurde erstmals die Republic of Ambazonia ausgerufen. 2016 bis 2018 gab es Proteste; im Jahr 2017 wurden sie durch die Armee blutig niedergeschlagen.[3] Bis Juni 2018 wurden laut Amnesty International 20 Anhänger Ambazonias von der Armee getötet, auf Seiten der Armee gab es 44 Tote.[4]
Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Alexandre Kum´a Ndumbe III (Hrsg.): L´Afrique et ´Allemagne de la Colonisation à la Coopération 1884-1986 (Le cas du Cameroun), Yaoundé 1986
- Victor T. LeVine/Roger P. Nye: Historical Dictionary of Cameroon, Metuchen, N.J. 1974
- Albert Gouaffo: Wissens- und Kulturtransfer im kolonialen Kontext: das Beispiel Kamerun - Deutschland (1884 - 1919). Saarbrücker Beiträge zur vergleichenden Literatur- und Kulturwissenschaft Band 39, 2007, ISBN 3-8260-3754-5
- Thomas Morlang: Askari und Fitafita: „farbige“ Söldner in den deutschen Kolonien. Chr. Links Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-86153-476-1
- John Mukum Mbaku: Culture and customs of Cameroon. Greenwood Press, Westport (Conn.) 2005, ISBN 0-313-33231-2
- Engelbert Mveng: Histoire du Cameroon, Paris 1963
- Victor Julius Ngoh: Cameroun 1884-1985; cent ans d´histoire, Yaoundé 1990
- Adalbert Owona: La naissance du Cameroun 1884-1914, Paris 1996
- Ulrike Schaper: Koloniale Verhandlungen. Gerichtsbarkeit, Verwaltung und Herrschaft in Kamerun 1884-1916, Campus Verlag, Frankfurt am Main 2012, ISBN 3-593-39639-4
- André Tiebel: Die Entstehung der Schutztruppengesetze für die deutschen Schutzgebiete Deutsch-Ostafrika, Deutsch-Südwestafrika und Kamerun (1884-1898). Rechtshistorische Reihe: 358, Lang, Frankfurt am Main 2008, ISBN 3-631-57096-1
Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- Histoire du Cameroun sur le site de l'ambassade de France au Cameroun
- Histoire du Cameroun - Université de Laval (Canada)
- Site de l'UNESCO : La question Bamiléké pendant l’ouverture démocratique au Cameroun : retour d’un débat occulté
Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
- ↑ Victoria Centenary Committee: Victoria – Southern Cameroons 1858 – 1958. Spottiswoode Ballantyne, London 1958.
- ↑ a b Kamerun – deutsche Kolonie von 1884 bis 1919, deutsche-schutzgebiete.de
- ↑ Will Ambazonia become Africa’s newest country? dw.com vom 2017 (englisch), abgerufen am 7. Juli 2018
- ↑ Dionne Searcey: As Cameroon English speakers fight ro break away, violence mounts. New York Times vom 28. Juni 2018 (englisch), abgerufen am 7. Juli 2018
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Kamerunästuar (engl. Wouri estuary, auch Cameroon estuary) bezeichnet einen Ästuar der von einem Mündungsdelta mehrerer Zuflüsse bei Douala zu einer „sechslappigen Bucht“ übergeht. Er liegt in der Region der Bucht von Biafra, die seit 1970 den Namen Bucht von Bonny trägt. Die Bezeichnung ist in zeitgenössischer Literatur zu Deutschen Schutzgebieten in Afrika gebräuchlich.
Kamerunästuar (engl. Wouri estuary, auch Cameroon estuary) bezeichnet einen Ästuar der von einem Mündungsdelta mehrerer Zuflüsse bei Douala zu einer „sechslappigen Bucht“ übergeht. Er liegt in der Region der Bucht von Biafra, die seit 1970 den Namen Bucht von Bonny trägt. Die Bezeichnung ist in zeitgenössischer Literatur zu Deutschen Schutzgebieten in Afrika gebräuchlich.
Kamerunästuar (engl. Wouri estuary, auch Cameroon estuary) bezeichnet einen Ästuar der von einem Mündungsdelta mehrerer Zuflüsse bei Douala zu einer „sechslappigen Bucht“ übergeht. Er liegt in der Region der Bucht von Biafra, die seit 1970 den Namen Bucht von Bonny trägt. Die Bezeichnung ist in zeitgenössischer Literatur zu Deutschen Schutzgebieten in Afrika gebräuchlich.
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